Klassenlehrkraft
Setzt Stufe-1-Maßnahmen im Unterricht um (Classroom Management, GBG), führt Screenings durch, dokumentiert Verhaltensbeobachtungen und setzt Stufe-2-Interventionen wie DBRC oder CICO in Abstimmung mit dem Förderteam um.
Konkrete Schritte, bewährte Instrumente und Rollen: ein Leitfaden für die schulische Umsetzung eines mehrstufigen Fördersystems.
Die Einführung eines MTSS an einer Schule ist kein einmaliges Projekt, sondern ein Schulentwicklungsprozess. Erfahrungen aus dem In- und Ausland zeigen: Erfolgreiche Implementationen beginnen klein, denken groß und arbeiten datengestützt.
Ein sinnvoller erster Schritt ist die Gründung eines multiprofessionellen Steuerungsteams, das den Prozess koordiniert und datenbasierte Entscheidungen trifft. Dieses Team definiert gemeinsam den Ist-Stand der Schule, identifiziert vorhandene Ressourcen und legt fest, welche Maßnahmen auf Stufe 1 bereits umgesetzt werden und welche noch fehlen.
Empfehlung: Beginnen Sie mit einer stabilen Stufe 1, bevor Sie Stufe-2- und Stufe-3-Maßnahmen planen. Eine wirksame universelle Prävention ist das Fundament; ohne sie sind höhere Stufen weniger effektiv.
Datengestützte Förderentscheidungen sind der Kern von MTSS. Um zu wissen, wer zusätzliche Unterstützung braucht und ob Maßnahmen wirken, braucht es systematische Erhebungsinstrumente.
Universelles Screening: Standardisierte Verfahren zur Einschätzung aller Schüler*innen, die mehrmals im Schuljahr durchgeführt werden, z. B. Lehrkräfteeinschätzungen (SDQ, ISK, ILK) oder Lernstandserhebungen. So werden Kinder mit erhöhtem Förderbedarf frühzeitig identifiziert.
Verlaufsdiagnostik (Progress Monitoring): Engmaschige, wiederholte Messungen, um den Erfolg laufender Interventionen zu überprüfen. Im Bereich Verhalten z. B. durch tägliche Verhaltensbeobachtungen (Direct Behavior Ratings) oder Daily Behavior Report Cards (DBRC).
Förderteams werten die Daten regelmäßig aus, typischerweise alle 6–8 Wochen, und entscheiden gemeinsam, ob eine Maßnahme fortgesetzt, angepasst oder die Förderstufe gewechselt wird.
Die folgenden Instrumente sind in der Forschung gut dokumentiert und haben sich in der Praxis bewährt, insbesondere im Bereich externalisierenden Problemverhaltens. Die Auswahl orientiert sich an den Erkenntnissen aus den internationalen und nationalen Studien.
Ausführliche Beschreibungen der Stufen finden Sie auf der Stufenseite.
MTSS ist Teamarbeit. Die Umsetzung gelingt nur, wenn verschiedene Professionen zusammenarbeiten und klare Zuständigkeiten bestehen.
Setzt Stufe-1-Maßnahmen im Unterricht um (Classroom Management, GBG), führt Screenings durch, dokumentiert Verhaltensbeobachtungen und setzt Stufe-2-Interventionen wie DBRC oder CICO in Abstimmung mit dem Förderteam um.
Unterstützt die Klassenlehrkraft bei der Umsetzung intensiverer Maßnahmen, führt funktionale Verhaltensanalysen durch, leitet Kleingruppentrainings und berät bei der Erstellung individueller Förderpläne.
Berät das Förderteam bei diagnostischen Fragestellungen, unterstützt bei der Interpretation von Screening- und Verlaufsdaten und koordiniert bei Bedarf die Zusammenarbeit mit externen Fachstellen.
Schafft die strukturellen Rahmenbedingungen: Zeitfenster für Teamarbeit, Fortbildungen, Ressourcenverteilung. Unterstützt das Steuerungsteam und kommuniziert die MTSS-Logik ins Kollegium.
Übernimmt Mentoring-Funktionen, begleitet Elterngespräche, unterstützt bei der Netzwerkarbeit mit außerschulischen Partnern und führt ggf. eigene Gruppenangebote durch.
Die folgende Checkliste fasst die zentralen Schritte, orientiert an Erfahrungen aus der Forschung und der schulischen Praxis.
Implementation ist kein linearer Ablauf. Schulen durchlaufen diese Schritte oft iterativ und passen ihre Vorgehensweise kontinuierlich an.
Die Forschung benennt klar, was gelingt und was die häufigsten Stolpersteine bei der Umsetzung sind.
Zeitressourcen: Datenerhebung, Förderkonferenzen und kollegiale Beratung brauchen feste Zeitfenster im Schulalltag. Ohne diese scheitern auch gute Konzepte an der Alltagsrealität.
Implementationstreue (Fidelity): Maßnahmen wirken nur, wenn sie so umgesetzt werden, wie sie konzipiert sind. Regelmäßiges Coaching und Feedback sind dafür entscheidend.
Akzeptanz im Kollegium: MTSS erfordert ein gemeinsames Verständnis. Fortbildungen allein reichen nicht; es braucht sichtbare Erfolge und kollegiale Unterstützung im Prozess.
Fehlende multiprofessionelle Strukturen: In vielen deutschen Schulen sind sonderpädagogische Fachkräfte und Schulpsycholog*innen nicht ausreichend verfügbar. Kreative Lösungen wie regionale Kooperationen können helfen.
Die multimo-Studien zeigen, dass Implementation gelingt, wenn Schulen begleitet werden, etwa durch Coaching, klare Manuale und regelmäßige Reflexion. → Mehr dazu auf der Forschungsseite